Dauer: ca. 50 Minuten
Nach [SLIK], dem ersten Stück von Roderich Madl und Silke Grabinger, das den Tanztagelabor & Linz 09 Preis gewinnen durfte, stellen sich die beiden Künstler erneut einer Frage: Kann man sich einem Kultbild wie Marylin Monroe nähern ohne plakativ und nachahmend zu wirken? Erwartungen, die aus den Blicken der Menschen hervordrängen - was verbirgt sich hinter diesen Vorstellungen von Klischees? Gibt es eine verborgene Tiefe, die solch eine Ikone zulassen kann, ohne das festgefahrene Image zu destabilisieren?
"Ich hatte immer schon Angst vor Worten, einfacher war es mir mit dem Körper zu sprechen." sagte Marilyn Monroe in einem Interview. Was bedeutet es eine verletzte Diva zu sein?
Eine Hinterfragung einer von Medien gefertigten Ikone. Ein Schockbild und Sexsymbol der 50er, das heute fast sittsam erscheint - ihre charismatischen Darstellungen reichen von einst bis jetzt. Ein revoltierender Versuch mit dem Bewegungsvokabular des Urban Styles / Breakdance gepaart mit Zeitgenössischem Tanz einen Blick hinter die Fassade zu werfen, und eine Antwort auf die Frage „Worin liegt das Geheimnis dieser Frau?" zu finden.
Die konzeptuelle Phase für ]KILS[ begann in Las Vegas 2007, dort wurde eine Kurzfassung im Club KRAVE gezeigt. Eine längere Fassung wurde in der REVUE von Didi Bruckmayr beim Circus von Linz 09 gezeigt und für den Posthof Linz/Austria wurde „KILS“ zu einem abendfüllenden Stück ausgearbeitet.
Konzept, Choreografie: Silke Grabinger, Roderich Madl
Tanz: Silke Grabinger
Conferencier: Didi Bruckmayr
Blitzinstallation: Ingo Randolf
Musik: FUMP
Lichtdesign: Peter Thalhammer
Sicherungstechnik: SICHER UK
Produktion: Linz 09 und Posthof Linz
]KILS[ wurde gezeigt:
2010 Tanztage Posthof Linz Austria
2009 REVUE Circus-Linz 09 Linz Austria
2007 KRAVE Las Vegas USA
PRESSE
www.tanz.at
Marilyns Geheimnis
12. April 2010 | AutorIn: Ditta Rudle | | |
Silke Grabinger ist Norma Jean Baker. Gemeinsam mit dem Choreografen Roderich Madl hat sich die als Breaktänzerin ausgebildete Künstlerin auf die Suche nach dem Menschen hinter der Kultfigur Marilyn Monroe gemacht. .
Die Wimpern klimpern, die Lippen sind zum Kuss geschürzt, der Sekt perlt im Glas, die Gliederpuppe hebt die Arme, die Gelenke knacken und knarren. Zierlich trippelt sie auf dem roten Teppich nach vorn: „Happy Birthday to you!“. Marilyn Monroe, wie wir sie kennen, Marylin Monroe, wie sie auch in den Köpfen jener vorhanden ist, die nie einen Film mit der Diva gesehen haben.
Die ehemalige Breakdancerin Silke (Silk) Grabinger ist diese Kopie einer Attrappe, dieses Kultbild mit blondem Lockenhaar und hochhackigen Sandaletten. Gemeinsam mit Roderich Madl (Silk & Pilottanzt) hat sie sich auf die Suche nach dem Menschen hinter der Kultfigur gemacht und eine Frau gefunden, die nie aus dem vorgefertigten Rahmen herausgetreten ist, die ihre Wünsche und Sehnsüchte nie ausgelebt hat, die leblose Ikone bleiben musste, weil die Medien, ihre Fans und Manager, die Welt der Konsumentinnen und Voyeure es so wollten.
Grabinger zeigt Norma Jean Baker (Geburtsname der Monroe) in den Seilen hängend. Als Breakdancerin beim Cirque du Soleil hat sie bereits in Las Vegas eine Kurzfassung der Gegenüberstellung von Marylin auf dem Catwalk und Norma Jean in den Lüften gezeigt, für den Posthof wurde ] KILS [ nun mit Roderich Madl zu einem 45minütigen Tanzprogramm ausgearbeitet.
Nahezu zehn Minuten (länger ist physisch unmöglich und gefährlich) hängt Silk als Norma Jean an zwei Drahtseilen und zeigt mit sanft schwingenden Bewegungen ein verletzliche, zerbrechliches Wesen, das mit der Ikone MM wenig zu tun hat. Weder keck noch sexy, weder verführerisch noch naiv ist diese sanfte Frau, die sich nach etwas sehnt, das sie nicht ausdrücken kann, das sie nie bekommen wird. Dann steht wieder Marylin vor uns, betreut von Conferencier Didi Bruckmayr. Weißer Staub rieselt auf sie herab, immer grauer, immer älter wird die strahlende Figur, bis sie als Mumie zusammensinkt, vom gnadenlosen Betreuer einfach samt ihrem roten Teppich hinausgeschleift wird. Der Mohr hat seine Arbeit getan.
Dem Conferencier ist nicht nur die Rolle des Betreuers und Managers von Marylin zugeteilt sondern auch die Rolle des Shakespeareschen Narren. Als wär’s ein Extempore darf er sich über die Künstler verachtenden Praktiken von Linz 09 und den Umgang mit Künstlern und der Kunst generell auslassen und den allgemeinen Geldmangel beklagen. Das amüsiert, doch Marylin / Norma Jean berührt, geht unter die Haut, macht traurig und betroffen. Ein Abend, so kurz wie intensiv, den ich so schnell nicht vergessen werde.
] KILS [, Posthof, 10. April 2010